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Dietrich 2011, Rückblick - Höhepunkte - Reflexionen

Wenn ich nachdenke, was mir 2011 am Wichtigsten war, fällt mir als erstes die Begegnung mit Alexander Gosztonyi ein. Seit 1980 liegt mir dieser Name im Hinterkopf, seit ich seine Bücher „Grundlagen der Erkenntnis",  „Der Mensch in der modernen Malerei"  und schließlich „Das Vater Unser" gelesen hatte. Im Juli hatte ich die Gnade, sein letztes Seminar zum Rückführungsleiter in Braunwald, 1200 m hoch in den Glarner Alpen zu partizipieren. Da erlebte ich, dass er nicht nur ein Intellektueller, sondern ein liebender und kultivierter Mensch war, der sich hinter sein Werk eher zurück stellt, dass seine neueren Bücher „Die Anatomie der Seele", „Grundlagen der Reinkarnationslehre"  keine akademischen Theorien, sondern Erkenntnis aus 40-jähriger Rückführungspraxis sind, die ganz praktische Hilfe zu einem befreiteren und authentischeren Leben ermöglichen. Mir wurde dabei  ganz plastisch, wie sinnvoll auch die unverständlichsten und grausamst  erscheinenden Schicksale auf dem Evolutionsweg zu Gott sein können. „Jede irdische Geburt ist ein Sterben im Jenseits und jeder irdische Tod ein eine Wiedergurt im Jenseits".

Aber auch die Wanderungen von Braunwald aus mit Waltraud bis auf 1900 m Höhe waren ein wunderbares Erlebnis, auch und gerade durch feuchte neblige Luft, die alle Gräser, Blumen und Blätter mit Tautropfen überzogen wie winzige glitzernde Glasperlen. Auch die Einkehr bei den Almbauern und der Genuss frischer Schweizer Kuhmilch, die Wiesen voller Eisenhut oder Arnika und anderer Alpenpflanzen. Selbst Solidago, die Goldrute und Euphrasia, das Augentrost habe ich zum 1. Mal in so großen Mengen gefunden, dass ich je ein Büschel zum eigenen Gebrauch geerntet habe.

Mit Waltraud war ich zum 2. Mal bei den „Sommerlichen Musiktagen" in Hitzacker an der Elbe, diesmal mit dem Thema Familienbande, wobei mich besonders die Mendelsohns interessierten und neue Einsichten tief bewegten, besonders Fannys Jahreszyklus für Klavier und das letzte Streichquartett von Felix, Op. 80 in F-Moll, das er nach dem Tod seiner geliebten Schwester schrieb, bevor er selbst ihr folgte.  Aber auch die virtuose, originelle und menschlich ursprüngliche Geigerin PATRICIA KOPATCHINSKAJA mit Werken von Kurtag und Enescu sowie mit Volksmusik ihrer moldawischen Heimat zusammen mit Ihren Eltern an Cymbal und Violine und später bei der Wanderung zusammen mit einem russischen Bandoneonspieler  war hinreißend. Natursportlicher Höhepunkt dieser Woche war die Erfüllung von Waltrauds lange gehegtem und gut vorbereiten Wunsch, einige km die Elbe hinunter zu schwimmen, nackt mit dem Kleidersack auf den Rücken gebunden, bis wir in Hitzacker am gut bekannten Badeplatz zitternd aber glücklich landeten.

                Apropos Waltraud ein Exkurs zu 2010: Als nach dem Schock des plötzlichen Todes meiner wunderbaren Partnerin Ingeborg und 4 schmerzhaften Monaten seit einer Teneriffa, eingeladen von Kusine Astrid, wieder  erste Anzeichen von Lebensfreude keimten und ich mich fragte, ob ich je ein neues Liebes- oder Lebensverhältnis eingehen könnte, stand für mich fest, dass dies nur mit einer Frau möglich wäre, die mich nicht nur lieben, sondern die auch Humor haben, spontan lachen und „Unsinn" treiben sollte und die auch  Ingeborg bzw. ihrer und meiner Familie freundschaftlich zugetan sein müsste. Schließlich war Ingeborgs Familienfürsorge und Freundschaftspflege ein Grund meiner Liebe zu ihr. Bei diesen Gedanken war mir noch nicht bewusst, dass diese Frau bereits mit mir und Ingeborg längst innig verbunden war: Waltraud, die frühere Frau meines lieben und verehrten Onkels 2. Grades Alfred (eines Cousins meiner Mutter) aus Hamburg. Zwar wurde mit ihr nicht meine Sehnsucht nach Zusammenleben gestillt, aber das ist auch gut so. Ich lernte durch sie auch die Sehnsucht und Nicht-Erfüllung zu genießen, obwohl mir theoretisch schon lange klar ist, dass (materieller) Verzicht genauso wichtig ist für Lebensfreude wie die Pausen in der Musik, der Tod für das Leben. Also eine Umkehrung der der inneren Einstellung Mignons im „Lied des Harfners" von Goethe. Überhaupt gibt es zu jeder Wahrheit auch die genau gegenteilige!

Zurück zu 2011: Mein größter Kummer des Jahres waren die für Tochter Iris  menschlich so furchtbaren Verhältnisse in ihrer neuen Firma in Hamburg. Gut ihre Entscheidung, sich da loszusagen und Glück, schon 2 Monate später einen besseren Wirkungsbereich in Berlin zu finden.

Ein weiterer Schock war die Krankheit der 92-jährigen Mutter bis zur Unfähigkeit, sich vom Boden zu erheben.  Gut daran: endlich Einsicht in Pflegebedürftigkeit und unter fachkundiger Hilfe täglich 2 Mal prima Erholung, sodass sie hin und wieder 1 - 2 Stunden an ihren älteren Bildern arbeitet. Auch wenn man versucht ist, sich darüber zu ärgern, dass sie u. a. aus Sparsamkeit keine Hilfe annehmen will, letztlich sind wir unendlich dankbar dafür, dass sie so anspruchslos und selbstgenügsam lebt mit dem unbedingten Ehrgeiz, sich selbst zu versorgen. Danke, Livia, dass Du mehr als wir Brüder konnten, geholfen hast"

Unsere Mutter ließ übrigens 2 Original-Graphiken ihres Vaters Wilhelm Wilcke (1885-1979) rahmen als Geschenk für den Bürgermeister von Templin.  Dort überreichte ich sie zusammen mit meinem Bruder Christian und seiner Frau Susanne so wie meiner Tochter Marlen und meinen Nichten und Neffen Laurens (mit Ariadne), Leander und Emmi, im Rathaus persönlich.  Christian,  Susanne und ihre Freunde von der Lahn waren mit einem Charter-Motorboot in den Gewässern vom Müritz, Rheinberg und Templin unterwegs und feierten in Hof unseres Templiner Hauses eine Grillparty. Auch unsere Schwester  Livia kam nach ihrem Keramik-Markt aus Köln dazu.  Zum Abschluss stieg ich mitsamt Rad unterhalb unseres Gartens ins Boot und fuhr durch den langen Rödliner See und 2 weitere kleine Seen bis zur Kannenburger Schleuse mit und radelte von dort zurück. 

Ebenso wichtig und erfreulich war mein Besuch bei meinem Onkel Alfred und seiner Lebensgefährtin Dr. Mechthild Papousek in deren neuen Domizil in Rosenheim, ganz nah an dem Mangfall. Zusammen haben wir eine Radtour an einen herrlichen Badesee mit Blick auf die Alpen unternommen, im Trio musiziert und meinen Kollegen Scholz am Chiemsee besucht, wo er sein Segelboot liegen hat und mich seit Jahren zu einer Tour auf den See eingeladen hatte. In Rosenheim besuchte ich auch meinen Freund und Ayurveda-Arztkollegen Eckhard Moog in seinem neuen geschmackvollen und erfüllenden  Arbeitsplatz Rosana, den ich nach Augenschein unbedingt für Gesundheitsberatungen und Ayurveda-Kuren empfehlen kann.

Auch mit meiner älteren Tochter, Marlen hatte ich 2011 wieder intensive und entspannte Begegnungen.  U. a. haben wir zusammen das Ballett von John Neumeier zur 3. Sinfonie von Mahler in der Oper erlebt. Marlen ist in der Organisation von Osteopathie-Studiengängen gut etabliert, arbeitet inzwischen zusätzlich wieder als Physiotherapeutin in einer Praxis in Hamburg Winterhude und hat zu meiner Freude mit Geige begonnen, unterrichtet und motiviert von Waltraud.

Überhaupt ist Musik  fast der Schwerpunkt meines Lebens seit Befreiung von der ganzjährigen Berufsverpflichtung.  Daher und aus dem Bedürfnis nach Kontinuität bin ich weiter so viel es geht bei den Proben und Aufführungen des Blasorchesters von Traben-Trarbach (mvtt) mit dem Stiftungsfest als Höhepunkt im Februar und u. a. einem Auftritt in der Bundesgartenschau in Koblenz.  Wenn ich in Traben-Trarbach bin, besuche ich fast immer auch die alte, seit Mai 2010 halbseitengelähmte Gunhild Neußer, bei der ich nach dem Auszug aus der Dienstwohnung ¾ Jahr wohnen durfte und mit deren Barockensemble  ich und Ingeborg  jahrelang alle 2 bis 4 Wochen musizierten.

Etwas geringer ist meine Beteiligung am Gospelchor geworden. Die seltenen Proben des Kammerchores habe ich jedoch fast alle besucht, woraus das intensive Konzert mit Magnifikats aus 5 Jahrhunderten (von Eckhart bis Vic Nees) Ende Oktober erwuchs. Just am selben Wochenende gaben auch die „Bad Ems Singers", bei denen ich seit Sommer bin, ein Konzert in Form einer Sektmatinee in meinem dortigen Wohnort  Dausenau.


Zeitweilig sind inzwischen 3 Mitglieder unserer Familie an der Lahn: Christian in Gießen bzw. Dorlar, seine Tochter Sabine wegen Medizinstudium in Marburg und ich in Bad Ems.

Seit Jahren wünscht sich Waltraud, ich möge doch die barocke Traversflöte spielen, die sich in der Kammermusik mit Streichinstrumenten genauso wie der Hammerflügel klanglich viel besser mischt, als die modernen Instrumente. Zunächst aber ließ ich die Tenor-Bass-Gambe bei Brosse renovieren, nahm Unterricht bei Anke Böttcher: 1 Stunde in Berlin und 4 Tage im Seminar über Pfingsten im Kloster Altenberg im Bergischen Land. Dann erfolgte der Kauf einer guten barocken Traversflöte und das Einüben der ungewohnten Gabelgriffe und ein erster Auftritt damit zusammen Heiko Hans-Johann am Hammerklavier von Nanette Streicher - Wien 1811 - in dem langen Abend des Mittelmuseums Traben-Trarbach.  Von der Kammermusik mit Waltraud  in Hamburg sind mir  das Trio in g-Moll aus dem musikalischen Opfer von Bach und die Flöten-Quintette Op. 55 von Boccherini besonders gut in Erinnerung.

Da ich endlich etwas öfter in Templin bin, ist es dies Jahr zum ersten Mal gelungen, mit dem Templiner Kantor Dr. Gundlach und seiner Frau in der Kirche zu musizieren, zuerst mit Flöte eine Triosonate von Quantz, dann mit der Gambe bei den 2 Adventskonzerten im Kerzenschein. Übrigens lässt sich die Templiner Wohnung mit dem neuen zusätzlichen Kaminofen auch im Winter gut aufwärmen.  Und kochen tue ich dann ausschließlich auf dem alten Küchenherd mit Holzfeuer. Zum Dezember ist es gelungen, einen netten neuen Mieter in die frei gewordene kleine Wohnung im Erdgeschoss zu bekommen.

Last not least hat mir auch die Arbeit in Bad Ems wieder Freude bereitet. Es ist angenehm, das diese Ayurveda-Klinik unter der Leitung einer  befreundeten Kollegin, mit der ich schon 1985 das 1. Panchakarma-Zentrum Europas in Schledehausen eingerichtet hatte, und ihres Mannes steht. Dies Jahr habe ich seit langen wieder an Ayurveda-Fortbildung Berlin und in Birstein Teilgenommen.

Dies Jahr war wieder so voll von Aktivitäten, meine Theaterarzt-Dienste und andere konnte ich gar nicht aufzählen, dass ich mich frage, ob ich vor irgendetwas weglaufe. Warum treibt es mich immer wieder an Schauplätze, an denen ich mit Ingeborg gelebt habe? Tatsächlich verfolgt mich nach wie vor der Tod meiner wunderbaren 2. Lebensgefährtin Ingeborg (1994/1996 bis 2009), die Frage ob ich mich zu wenig um sie gekümmert habe, was ich hätte besser machen können oder sollen, obwohl ich andererseits die Gewissheit habe, dass alles so kommen musste und gut ist. Unter diesem Schatten war ich wieder 2 Tage bei der Weinlese, diesmal im Schloss- und Burgberg für Weingut Böcking. Und wieder war Inge irgendwie dabei. Anschließend habe ich endlich den Gutschein eingelöst, den ich Ingeborg zu einem Geburtstag geschenkt hatte, nämlich eine gemeinsame Wanderung entlang der Mosel zur Burg Arras mit Abendessen und Übernachtung, jetzt zwar allein aber im Herzen mit ihr zusammen, wie mir der liebevolle Pfarrer Henrich nach ihrem Tode geraten hatte.

 Wichtig ist mir auch die gute Beziehung zu ihren Kindern, Tanja in Manchester und Tobias, der mit seiner Familie seit Sommer wieder in Deutschland ist und im Oktober seine Pfarrstelle in Sparrieshoop angetreten ist. Ich habe ihm wie versprochen, das Auto zur Verfügung gestellt und versuche nun ohne Wagen auszukommen, was mir bisher gut gefällt. Ein wichtiger Termin war mir auch das traditionelle Voradventstreffen der Freunde Ingeborgs in Kleve bei Friedrichstadt an der Eider mit Basteln von Fröbelsternen und Pflaumen-Marzipan-Walnuss-Konfekt a la Ingeborg und Geselligkeit.

Was war 2012 mein schlimmster körperlicher Zustand? Eine furchtbar schmerzhafte bakterielle Harnröhrenentzündung Anfang November, wohl ausgelöst durch sehr vieles Hin-und-Her-Reisen zwischen Hamburg, Templin, Traben-Trarbach und Bad Ems, einmal nach nur 2 Stunden Bettruhe. Alle 20 Minuten wie mit einer glühenden Nadel durchbohrt, alles verkrampfend, obwohl der Urin, wenn überhaupt, nur bei Entspannung und gleichzeitigem tiefem Drücken und Ausatmen in kleinen Portionen und noch zusätzlichen Schmerzen rauskam. Trotz antibiotischer und naturheilkundlicher Therapie. Schließlich konnte ich das nur noch aushalten, indem ich den Schmerz als Strafe bzw. Lehrstück zur Eigenerfahrung für früher begangene ähnliche Grausamkeiten an anderen vorstellte und begrüßte. Und ich dem Welten-Richter dafür dankte, dass ich mit (hoffentlich nur dieser) 1 Woche Buße davon kam.

Jetzt sitze ich hier wohlauf  im Norden Teneriffas mit Waltraud auf der Terrasse des Appartements meiner Kusine Astrid bei mildem Frühlingswetter und blicke auf den weiten Horizont des blauen Atlantiks, dessen Brandung von der über 100 m tiefer gelegenen Steilküste bis hier hinauf schallt.  Wir wandern und baden fast täglich.

Einerseits genieße ich, weit weg von deutschen Weihnachtsrummel zu sein, der den Sinn des Festes geradezu in sein Gegenteil verkehrt, andererseits liegt mir auf der Seele, dass ich seit 20 Jahren zum ersten Mal unser jährliches Weihnachtstreffen von uns 3 Geschwistern und sämtlichen Kindern, Nichten und Neffen ausfallen lasse. Dies wieder aufzugreifen ist jetzt schon mein wichtigster Programmpunkt für nächstes Jahr mit den für  Arbeitnehmer freundlichen Feiertagen.

Von hier wünschen wir allen Verwandten und Freunden ein gutes, gesundes, glückliches und gesegnetes Neues Jahr - Felice Anno Nuovo 2012

                Dietrich und Waltraud, 31. 12. 2011 Los Realejos / Teneriffa

PS:         (1) Endlich habe ich auch an meiner schon seit 2 Jahren entworfenen und vorbereiteten Webseite gearbeitet: www.wachsmuth-ayurveda.de

(2) Durch diese Webseite ist eine Frau auf mich aufmerksam geworden, die Personaldaten von Autoren wissenschaftlicher Arbeiten vervollständigt. Dadurch habe ich den Titel: „Die Einwirkung des Sulfapyrimidins auf das Blutbild bei der Bronchopneumonie des Säuglings und Kleinkindes: (Biologische Leukozytenkurven) und den Ort (Leipzig) der Dissertation (1944) unseres Vaters erfahren, über die er nie gesprochen hat, obwohl er dadurch seine Frau kennen gelernt hat.

(3) Buchempfehlung: „das Wagnis ist schön" von Zenta Maurina - nur antiquarisch - ich fand es in der Pension in Braunwald und war überwältigt von der Innigkeit, Dichte und Musikalität des Stils dieser hochbegabten Lettin, der Radikalität ihres Charakters und ihrer Menschlichkeit, der extremen Kontraste in ihrem Schicksal und deren Bewältigung, der Fülle an Hintergrundwissen über Geschichte, Literatur und bekannte sowie heute nicht mehr bekannte bedeutende Persönlichkeiten und von Städten wie Riga, Heidelberg, Wien in der Zeit zwischen den Weltkriegen bis zum Zusammenbruch Europas.